Selbstmord im Web 2.0 unerwünscht

Selbstmord ist in vielen Gesellschaften ein Tabuthema. Dies gilt auch für die virtuelle Gesellschaft im Web 2.0 – wenn auch aus anderen Gründen.

Wenn Menschen in ihrem Leben total verzweifelt sind und keinen Ausweg mehr sehen, wählen einige von ihnen leider den «Notausgang aus dem Leben», den Selbstmord.

In der virtuellen Welt des Web 2.0 gibt es keine Menschen, aber deren «Abbilder». Echte Menschen bestücken leblose Profile auf all den Social-Networking-Sites mit ihren Vorlieben, Meinungen, Fotos, Videos und basteln sich so ein virtuelles Selbst (oder Ideal?), das sie wiederum mit den virtuellen Abbildern ihrer Freunde und Bekannten vernetzen.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Selbstmord auch in dieser Parallelwelt zu einem Bedürfnis wird – wenn auch nicht aus Verzweiflung. Es gibt viele Gründe, sein virtuelles Profil Harakiri (soeben auf Wikipedia gelernt, dass das falsch ist) Seppuku begehen zu lassen: die anfängliche Begeisterung ist verflogen, man möchte lieber wieder mit echten Menschen kommunizieren, man ist besorgt über den Umgang mit den persönlichen Daten usw.

Die «Web 2.0 Suicide Machine» hat dieses Bedürfnis erkannt und ist quasi eine Sterbehlife-Organisation für Web-2.0-Profile. Die Website nimmt einem die Arbeit ab, all die Freundschaften aufzulösen und die eigenen Daten zu löschen.

Interessanterweise finden die Betreiber der Social-Networks diese Dienstleistung gar nicht nützlich. So hat Facebook den Anbieter offenbar rechtlich dazu gezwungen, den Dienst für Facebook-Profile einzustellen. Das heisst, man will mit allen Mitteln verhindern, dass die Mitglieder auf einfache Weise aussteigen können.

Mir scheint einmal mehr, dass manche dieser virtuellen Parallelwelten tatsächlich nur unser Bestes wollen – nämlich unsere Daten. Ob sie sie jemals wieder hergeben, ist eine andere Frage.